26.02.2014

Eine exklusive Liebe - Johanna Adorjan

Dieses Buch habe ich mit meinem Lesekreis zusammengelesen, alleine hätte ich es bestimmt nie gelesen da der Titel mir überhaupt nicht anspricht und das Coverbild für meinen Geschmack sehr einfallslos ist. Obwohl ich eigentlich weiss, dass wunderschöne Schätze sich hinten komischen Titeln und Bildern verstecken können. Daher habe ich mich auf dieses Buch gefreut. Hat es meinen Erwartungen erfüllt?


Eine kurze Zusammenfassung:
Johanna Adorjan erzählt in diesem Buch die Geschichte von ihren Großeltern bzw. den Tag an den sie Doppel-Selbstmord verübt haben. Eine Entscheidung, die beide schon länger getroffen hatte. Aus ihrer Sicht erzählt sie wie dieser Tag abgelaufen ist, von Aufstehen bis zum Tod. 
Johanna macht sich nach dem Tod ihrer Großeltern auf der Suche nach ihrer wirklichen Geschichte da beide sehr wenig über ihre Vergangenheit und über den Krieg geredet haben. Johanna trifft ihre Freunde und lernt dadurch die Geschichte von ihren Vorfahren. 

Meine Meinung:
Wie Johanna ihre Großmutter schildert spürt man schon ihre Liebe zu ihr aber auch eine gewisse Distanz. Sie scheint nicht die liebevolle Oma gewesen zu sein, sondern mehr eine Frau gewesen zu sein, die ihren Mann und ihr Leben nach außen als Priorität sah. Vera klang für mich als ob sie eine kühle Frau wäre, vielleicht auch durch das Siezen zu ihrem Mann. Aber das ganze passt zusammen, finde ich, da sie ihre Kinder 6 Monate lang alleine mit einem Kindermädchen gelassen hat um ihren Mann in Paris zu begleiten. Das würden nur sehr sehr wenige Mutter machen.
Entweder war die Liebe zu ihren Mann so stark dass sie mit ihm sterben wollte aber wie sie mit ihm redet (als ob er ein kleines Kind wäre) glaube ich nicht daran. Ich hatte mehr den Eindruck, dass sie nicht alleine bleiben wollte, weil sie ihre ganzes Leben niemanden an sich herangelassen hat. Für mich war sie diejenige, die diese Entscheidung getroffen hat. 
Ihr Mann versucht sie sogar zu überreden, dass sie es vielleicht nicht machen sollte. Aber es sind nur Vermutungen, da die Enkelin nicht dabei war und das ist gerade was mich bei dem ganzen Buch gestört hat. 

Was das Thema Doppel-Selbstmord angeht denke ich nicht unbedingt, dass es nur mit der Liebe zu tun hat sondern mit einer gewissen Abhängigkeit/Gewohnheit, die man mit der Zeit entwickelt hat. Vera scheint sehr stark und dominant aber ist es nicht oft so dass Menschen, die sehr stark erscheinen, die eine sehr große Verletzlichkeit verstecken.

Was ich mich auch öfter fragte ist ob Vera ihre Kinder geliebt hat? Sie hat sie nicht nur 6 Monate allein mit dem Kindermädchen gelassen, sie hat ihnen auch nur einen Abschiedsbrief auf einem Post-it hinterlassen und bei der Hochzeit ihrer Tochter hat sie ihr die Show gestohlen...

Kannte Johanna Adorjan wirklich ihre Großeltern genug um zu wissen wie ihr Tag abgelaufen ist oder hat sie sich eine Geschichte nur zurechtgelegt, wie es ihr am besten gefallen hätte...

Sorry wenn ich so kritisch bin aber ich empfand keine Wärme beim Lesen und habe mich ständig gefragt, war es wirklich so? Und hätten ihre Großeltern sich gewünscht, dass so viele von ihren Gewohnheiten nach außen kommuniziert werden? besonders da beide ziemlich wortkarg waren...

Meine Note:
10/20

Kommentare:

  1. Klingt ja schon sehr bizarr, das Buch!!
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende, liebe Grüße
    Olivia
    P.S. Auf Deine Meinung zu "So bitterkalt" bin ich sehr gespannt!

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    1. Viele fanden das Buch klasse aber mir hat es einfach nicht gefallen, dass sie die Geschichte ihrer Großeltern so schreibt wie sie sie sich ausdenkt.
      "So bitterkalt" gefällt mir sehr gut bis jetzt, ich versuche es noch heute abend zu Ende zu lesen;-) und nächste Woche meine Leseeindrücke zu schreiben.
      Danke, Dir auch ein schönes Wochenende!
      Lg
      M.

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  2. Schade, dass dir das Buch nicht gefallen hat. "Eine exklusive Liebe" zählt zu meinen Lieblingsbüchern, diese Konstellation des Paares, das selbst die eigenen Kinder mit ihrer Liebe immer außen vor gelassen haben hat mich sehr berührt und mich sehr ins grübeln gebracht. Aber deine Beschreibungen kann ich wiederum auch nachempfinden, obwohl es um eine große Liebe geht sind die Beschreibungen nicht wirklich warm und liebevoll sondern eher distanziert und sachlich, das muss man mögen...

    Viele liebe Grüße
    Alex

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    1. Hi Alex,
      Meine Mitleserinnen fanden das Buch sehr gut. Ich glaube mir hat es am meisten gestört dass die Autorin den Tag schildert wie sie es sich selbst vorstellt. Wer weiß außer ihre Großeltern wie sie sich gefühlt haben und ob sie nicht an dem Tag etwas ganz außergewöhnlich gemacht haben. Ihre Großeltern waren Menschen die nicht gerne über sich selbst reden mochten daher kann ich mir schwer vorstellen dass dieses Buch ihnen gefallen würde. Meiner Meinung nach hätte sie es für sich selbst schreiben können aber warum musste sie die Geschichte ihrer Großeltern veröffentlichen? Brauchte sie diese Geschichte um eine Autorin zu werden?
      Ich bin wahrscheinlich zu "hart" aber es waren meine Gedanken als ich es las.
      Schönes Wochenende und liebe Grüße

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